Senioren im Hotel - das übliche blah blah

Alles, was woanders nicht reingehört

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NormanimNetz
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Beitragvon NormanimNetz » Do Okt 25, 2001 2:11

Senioren sind das Schlimmste, was einem Hotelfachmann gegenüberstehen kann. Prinzipiell ist diese Spezies in der Schnittchenzeit anzutreffen, wenn die buschigen Nasenhaare ihrer weit geöffneten Nüstern den frischen Duft von gemahlenem Kaffee sie hypnotiesiert. Mit keuchendem Atem schleifen sie ein Bein hinterher und müssen sich erstma an der Rezeption festhalten, während der disziplinierte Hofa dies übersieht und zum Schein sich beschäftigt, bis sie die Rezeption überhaupt mal erreicht haben.

Nach einer kurzen Verschnaufpause wird erstma die Brille geputzt, denn bevor die Quälgeister einem stundenlang ihre Lebens-Leidensgeschichte erzählen, wird der Hausprospekt ordentlich studiert. So eine Session kann gute 40 Minuten dauern... Brille putzen und die tränenden Augen suchen weiter den Sinn der kleinen Buchstaben.

Ein harsches "JUNGER MANN!" bedeutet, daß der Rentner nun zum gesellig, zünftigen Gespräch bereit ist. Wir entgegnen ihr/ihm mit einem freundlichen "Herzlich Willkommen", wobei wir uns leise weinend nichts sehnlicher wünschen bereits "Aufwiedersehn" zu sagen. Übrigens, ein "Alte Dame!" wäre als Antwort unangebracht...

Ansonsten liegt der Reaktor bei Senioren im dunkelgrünen Bereich... die täglichen Standartfragen sind laut und deutlich auszusprechen. Ein dauerhafter Charme in Form eines Lächelns überspielt das laute Schreien des Lachens, welches man ausleben möchte, wenn man gefragt wird, wo der Urinsack bitte ausgeleert werden darf. Hilfestellung bei solchen Problemen sind ebenfalls tunlichst zu vermeiden, auch wenn man einem Dienstleistungsunternehmen gehört.

Bei Gästen mit dem Komm-her-und-ich-erzähl-dir-was-aus-der-Vergangenheit-Syndrom überlässt man die verbale Kommunikation lediglich dem Sender, während wir als Empfänger mit beständigem Charme nicken und dabei lächeln. Stört man die Erzähl-Struktur des Gastes beginnt er die gleiche Geschichte von vorn.

Hingegen ist der Gast mit der fortgeschrittenen Demenz umgänglicher. Hier bieten wir Hilfestellung an, machen Knoten in ein Taschentuch oder geben ihm gleich einen ganzen Karton Hausprospekte mit.

Apropos Hausprospekte... Hier kann man sich die Einstellung der Kriegsgeneration zu Nutze machen und ordentlich 2,20 DM pro Hausprospekt einstreichen. Ein kleiner Witz nebenbei: "Nur noch der Tod ist umsonst - und der kostet das Leben" lockert die Situation und 2,20 wandern in die hauseigene Tasche. *g*

Viel Spaß beim Ausprobieren!!! ;-)
Alles wird gut!


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Beitragvon Alex » Do Okt 25, 2001 8:01

Ein Vorteil des Nachtdienstes ... alle friedlich am Ratzen :biggrin:
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"Aus Respekt vor dem Arbeitgeber erscheint man eine halbe Stunde vor Arbeitsbeginn, verbeugt sich vor dem Chef und nach Dienstschluss entschuldigt man sich, dass man nun gehen wird, und bedankt sich gleichzeitig, dass man heute arbeiten durfte ..."
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Beitragvon Alex » Sa Nov 03, 2001 9:54

Jemand gestern WwM? geguckt?
Ratz ist auch ein anderes Wort für "Iltis".
Und nicht, wie in Antwort "A" angeboten, für "Bettgestell". Somit wär ich mit 32 000 nach Hause gegangen.

Wollt ich nur mal so gesagt haben ... falls mal jemand in die Notlage kommen sollte, diese Frage einem Gast beantworten zu müssen.

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