Zukunft deutscher und internationaler Hotelfachschulen

Abschlüsse, Voraussetzungen, Studiengänge und mehr ...

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Zukunft deutscher und internationaler Hotelfachschulen

Beitragvon Kai » Sa Jan 12, 2008 19:04

Hallo in die Runde,

hiermit möchte ich eine neue Diskussion eröffnen.

Wie seht ihr in Zukunft die deutschen und internationalen Unis?

Die FH Bad Honnef wird, denke ich, in ihrer Art erst einmal die einzige internationale Hotelfach-"Uni" in Deutschland bleiben. Sie wird noch weiter wachsen und wohl noch ein kleines bisschen daran arbeiten müssen, dass sie aber auch die Qualität und interne Kommunikation stetig steigert. Die Preise werden wohl kaum sinken, vielleicht tritt sogar das Gegenteil ein. Ob sie wie The Hague ein schnelles Kompaktstudium für Hotelfachauszubildende oder Berufserfahrene einführen, ist fraglich (bisher fallen nur Praktika bis zu einem halben Jahr weg, vgl: Den Haag 2 Jahre, César Ritz in der Schweiz & andere Unis bieten auch Verkürzungsprogramme) - auf der einen Seite werden wohl einige im Ausland (Kompaktprogramme Bachelor) oder an einer staatlichen Hotelfachschule (2 Jahres-Betriebswirt) studieren, auf der anderen Seite würde man durch diese Programme wohl auch nicht so viel verdienen, da es noch viele Ex-Azubis gibt, die dann noch fast 4 Jahre dort studieren. Außerdem denke ich, hätten sie es dann schon längst eingeführt.

Alle anderen privaten Schulen, Heidelberg, Dortmund etc. werden meiner Meinung nach immer mehr zu Business Schools (Dortmund ist mit dem Umbau bereits eine und propagiert es auch so auf der neuen Homepage), jedoch wohl den Betriebswirt erhalten. Die Frage ist nur, wie lange? Zumindest bis dieser mal generalüberholt wird? Ich denke, dass mittelfristig die Schulen ein verändertes Studium oder neue, internationalere Studiengänge zusätzlich anbieten werden, um mit den internationalen Schulen mithalten zu können.

Tourismus-FHs werden auch in Zukunft ihre Nische behalten, und sich wohl auch noch etwas internationaler ausrichten.

Die Berufsakademien werden immer beliebter und auch internationaler werden, denke ich. Ich würde mir wünschen, dass es speziell für Abiturienten, welche ins Hotelfach einsteigen möchten, ein neues Konzept gibt, sodass ein leichtes Management-Studium die Berufsschule ersetzt, solang diese ihren teilweise primitiven Unterricht beibehalten - oder die Zusatzqualifikation wird bundesweit ausgeweitet und man darf sich seine Schule aussuchen, das wäre auch eine Alternative, die ich mir für meine "Nachkommen" wünschen würde. Der Ausbildungsgang Hotelfachmann sollte nicht abgeschafft werden, sondern könnte sich mehr auf Haupt- & Realschüler fokussieren.

Und ich denke, dass es auch weiterhin spezielle Programme wie die Steigenberger Akademie in Bad Reichenhall geben wird. Im Endeffekt sind ein Großteil der Studiengänge ja gleich / ähnlich.

Zusammenfassend denke ich, dass alle Schulen / Unis internationaler werden. Beispiele für diese Entwicklung sind kleinere, private Business Schools die Hospitality Mgmt. anbieten, die FH Bad Honnef oder die Internationale Berufsakademie Rhein-Neckar u.a.

Würde mich über Reaktionen sehr freuen!



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Patrick333
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Beitragvon Patrick333 » So Jan 13, 2008 15:17

Es wird sich mit den Hotelfachschulen und Unis so fortsetzten, wie die Gesellschaft sich veraendert.

Die Mittelschicht verteilt sich so langsam in Richtung reich oder arm, ein Mittelding wird es bald nicht mehr wirklich geben!

Ich teile deine Meinung, dass die Hofa Ausbildung, schulisch gesehen, fuer die meisten Abiturienten nur langweilig ist und man eigentlich total unterfordert wird! Man koennte die Zeit sinnvoller nutzen und spezielle Managementkurse anbieten!

Aber dann kommt dadurch auch wieder eine Art Klassengesellschaft zustande! Was ist mit den Leuten, die kein Abi haben? Die werden dann wohl auf der Strecke bleiben! Ich wuerde eher einen anderen Weg vorschlagen:

Die regulaere Ausbildung fuer die, denen das reicht,

und

eine neue Ausbildung, die Hotelmanagement heisst (oder so aehnlich), und die die selben Grundlagen hat, aber gestaucht und mit mehr Fokus auf das Management hat!

Persoenlich haette ich keine 16 Monate im Service und 8 Monate im HSK verbringen muessen (jedenfalls nicht stupides servieren und putzen). Die Grundlagen, ja, aber dann sollte man supervisor werden. Der Fokus sollte auf people management liegen und man sollte lernen zu fuehren, um nach solch einer Ausbildung direkt ins mittlere Management einsteigen zu koennen!


Um in ein solches Programm aufgenommen werden zu koennen, sollten Assessment Center und schwere Interviews und Auswahlprozesse durchgangen werden, um von vornherein die richtigen Kandidaten auswaehlen zu koennen!

Die Unis, ja die werden wohl teurer, was aber meiner Meinung nach ok ist, weil in der letzten Zeit, einfach zu viele mit einem Bachelor in den Markt einsteigen! Vor Jahren lage der Fokus auf einem niedrigeren Abschluss, jetzt ist es der Bachelor, und in den naechsten 5-10 Jahren wird es der Master sein!
Es ist wie mit dem Abi, es ist einfach zu leicht geworden heute Abi zu machen! Deswegen gibt es so viele Abiturienten, und die haben sogar Probleme Ausbildungsplaetze zu bekommen, geschweige denn Real- oder Hauptschueler!

Macht das Abi schwerer, macht die Unis schwerer und erhebt Unigebuehren, damit die Leute sich nicht faul auf den Arsch setzen und ewig lange studieren! Nicht viel, sagen wir 500-1000 Euro pro Semester!
Was glaubt ihr, wie schnell die Leute fertig waeren?!?!


Mit dem Hotelfachschulen ist es aber auch so, dass die meisten Leute bevorzugen im Ausland zu studieren, was eigentlich auch besser ist, da es dem Arbeitgeber zeigt, dass man flexibel ist und sich in einer neuen Umgebung zurechtfindet!

Soviel dazu.

MfG
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Beitragvon Kai » So Jan 13, 2008 16:57

Hallo erst einmal Patrick. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass du der erste sein wirst, der sich dazu äußert - und hatte es irgendwie auch gehofft ^^
Die regulaere Ausbildung fuer die, denen das reicht,
und eine neue Ausbildung, die Hotelmanagement heisst (oder so aehnlich), und die die selben Grundlagen hat, aber gestaucht und mit mehr Fokus auf das Management hat!
So etwas hatte ich auch gemeint - okay - es sollte nicht nur für Abiturienten zugänglich sein, da stimme ich dir zu. Es würde dann wohl wieder folgendermaßen hinauslaufen:

5* - 4* -> hier werden wohl größtenteils Leute mit (Fach-)Abitur genommen werden

<3* - 4* -> Real/Hauptschulabschluss

So ist es ja im Moment auch mit der Ausbildung, wenn man sich das Bild so anschaut. Und ich finde dass dann eigentlich nicht schlecht: Eine Hotelmanagement-Ausbildung (könnte dann Hotelfachmann & Kaufmann ersetzen!) So ist das dann auch irgendwie "gerecht", auch wenn ich das Wort nicht so mag ehrlich gesagt ... ich denke, ihr versteht was ich meine.

In den restlichen Punkten einer solchen Ausbildung stimme ich dir zu. Die deutsche Hotelbusiness-Ausbildung sollte auf alle Fälle nicht abgeschafft werden oder durch ein Studium mit geringem Praxisanteil ersetzt werden!
Die Unis, ja die werden wohl teurer, was aber meiner Meinung nach ok ist, weil in der letzten Zeit, einfach zu viele mit einem Bachelor in den Markt einsteigen! Vor Jahren lage der Fokus auf einem niedrigeren Abschluss, jetzt ist es der Bachelor, und in den naechsten 5-10 Jahren wird es der Master sein!
Eben, und nach dem Master kommt ja nichts mehr, im eigentlichen Sinne. Deshalb denke ich werden die guten Unis, die wirklich was auf sich halten und eben nicht den Ruf haben wollen dass dort jeder den bachelor machen kann, ihre Auswahlkriterien in Zukunft noch stärker eingrenzen und gezielt bei den ACs auswählen.

Danke für deine Antwort, ich hoffe das regt andere Leser auch an an dieser wie ich finde spannenden Diskussion teilzunehmen!

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Beitragvon Patrick333 » So Jan 13, 2008 19:46

So etwas hatte ich auch gemeint - okay - es sollte nicht nur für Abiturienten zugänglich sein, da stimme ich dir zu. Es würde dann wohl wieder folgendermaßen hinauslaufen:

5* - 4* -> hier werden wohl größtenteils Leute mit (Fach-)Abitur genommen werden

<3* - 4* -> Real/Hauptschulabschluss
Naja, so wuerde es aber auch nicht gehen! Denn wenn man in die 5 Sterne Hotellerie nur mit Abi reinkommen wuerde, wer macht dann die vermeindlich nicht so beliebten Arbeiten (Spuele, Zimmerputzen, Service, Technik)? Kein Abiturient wird sowas lange machen wollen, oder ueberhaupt!

Und dann waere fuer Haupt- und Realschueler ein Karriereweg verschlossen! Es ist ja nicht gesagt, dass die Leute gleich Manager werden, aber vielleicht wollen sie in einem 5 Sterne Haus im Service arbeiten und nicht in einem 3 Sterne Haus?!?


Es gibt noch eine Steigerung nach dem Master, den PhD, dass ist dann aber schon ein Doktor (ja man hat dann einen Doktortitel), aber dieser dauert je nach Zeit neben der Arbeit seine 4-6 Jahre! Jedoch machen das meistens nur Akademiker, im Sinne von Leute, die an den Unis unterrichten, also Tutoren und Lehrkoerper!



Was ich mir eher wuenschen wuerde, waere eine bessere Zusammenarbeit der Ketten an sich, im Sinne von Partnerschaften zwischen den einzelnen Haeusern einer Kette!

Ich hatte mir immer gewuenscht, es haette so was gegeben, als ich noch in der Ausbildung war!

Also, das waere mein Vorschlag:

Die Ausbildung auf mehrere Betriebe verteilen. Im ersten Jahr die Basics lernen und mit den Standards der Kette (Hilton, Ritz-Carlton usw.) vertraut werden. Im 2. Jahr in eine andere Stadt in Deutschland wechseln (z.B. von Muenchen nach Hamburg) und dort die Ausbildung fortsetzen (auch Berufsschule). Und das dritte Jahr wuerde man schulisch verkuerzen, seine Pruefung ablegen, damit man nach 2 1/2 Jahren fertig ist, aber dann das letze 1/2 Jahr innerhalb der Kette ins Ausland (z.B. England, Irland, Schweiz usw.).
Die Kosten sollten von der Kette getragen werden (Mitarbeiterunterkunft, Transport), eventuell anteilig etwas vom Gehalt eingezogen!

Das waere eine Ausbildung, wie ich sie mir gewuenscht haette! Man lernt alles wie in einer regulaeren Ausbildung, zusaetzlich aber zeigt man aber Flexibilitaet und die Sprachfertigkeiten werden verbessert!

Dies sollte natuerlich auch nicht fuer jeden zugaenglich sein, sondern wie schon erwaehnt durch spezielle Interviews und Assessment Center entschieden werden!

Was viele Hotels noch nicht erkannt haben, ist dass man die besten Leute halten muss, und nicht zur Konkurrenz ziehen lassen sollte. Solche Ausbildungen wuerden einen guten Schritt zur Mitarbeiterbindung darstellen! Gleichzeitig koennte ein auf die Ausbildung folgendes Angebot fuer z.B. 2-5 Jahre folgen (mit weiteren Fortbildungsmoeglichkeiten und Aufstiegschancen).

MfG
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Beitragvon TheKrümel » Mo Mai 19, 2008 19:56

Ähm, also ich bin auf einer Hauptschule gewesen und bin genauso gut in der Schule wie manche Abiturienten, sogar öfter besser... ich finde ihr steckt mich und andere *gute* und *schlechte* Hauptschüler in die gleiche Schublade. Findet ihr das gut? Ich nämlich nicht. Auch praktisch sind meistens Abiturienten nicht immer die besseren!

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Beitragvon HoFaMaUs » Mo Mai 19, 2008 20:37

ich schließe mich TheKrümel an, ihr könnt nicht alle in eine schublade stecken...ich meine ich habe mit achen und krachen meinen Realschulabschluss bekommen....(allein nur durch meine Phase der faulheit zur verdanken) aber ich habe es geschafft mir durch mein Auftreten allein, eine Ausbildung als Hotelfachfrau zu ermöglichen (die ich in 3 Wochen denke ich erfolgreich beenden werde)...mir stehen in dem Beruf alle wege offen...mein Weg führt erstmal in die Schweiz.....und das ist eine echte chance......
ich meine wenn ich mal so überlege hatte ich 2 die Abi gemacht haben in der Klasse, kann aber nicht sagen das die mehr auf den kasten hatten wie ich....
man kann die Leute aufgrund seines Abschlusses nicht beurteilen und sollte man auch nicht tun
:evil:

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Beitragvon TheKrümel » Mo Mai 19, 2008 22:54

Tja Abiturienten meinen wohl die besseren Menschen zu sein 8) und wir sind das unterste Volk. Aber die Erwartung Andere, ist die Erwartung Anderer :wink: und manchmal muss man vom Weg abkommen um nicht auf der Strecke zubleiben.

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Beitragvon Kai » Mo Mai 19, 2008 23:06

Mir hat mal jemand gesagt, intelligente Menschen denken anders. Intelligente Menschen denken kompliziert.

Warum laufe ich extra ins Stewarding Lager, um ein poliertes Messer zu holen, wenn doch am Nebentisch, der nicht besetzt ist, schnell ein Messer genommen werden kann, wenn es am Tisch gerade fehlt und - da der Gast bereits Platz genommen hat - so schnell wie möglich nachgelegt werden sollte?

Keine Ahnung. Und das ist nur ein Beispiel von vielen.

Dafür weiß ich aber auch zum Beispiel, dass ich sehr kreativ bin und dass ich mir für mein Abitur echt den Arsch aufgerissen hab. Es hat hier nix mit Schubladendenken zu tun, es ist einfach so, dass man sich für ein Abitur einfach hammermäßg reinhängt.

Und klar sind viele Abiturienten vielleicht im Büro besser aufgehoben als in der Operation/Praxis. Siehe mein eigenes Beispiel oben. Vielleicht auch weil sie denken, und das ist mein Ernst: "Ich habe nicht Abitur gemacht um mein Leben lang zu kellnern". Zumindest denken das Menschen, die nicht mit vollem Herzen für den Service leben. Aber das sind vielleicht Menschen, die sich ebenso an Gastfreundschaft begeistern und für die es nichts tolleres gibt, als den Gast bei einer Hausführung das "eigene" Hotel zu zeigen. Das ist dann vielleicht ein Sales-Mitarbeiter. Ach, ich hoffe ihr versteht irgendwie was ich meine.

Außerdem, wo haben wir euch denn beurteilt?

Viele Grüße

Kai

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Re: Zukunft deutscher und internationaler Hotelfachschulen

Beitragvon TheKrümel » Mo Mai 19, 2008 23:28

Der Ausbildungsgang Hotelfachmann sollte nicht abgeschafft werden, sondern könnte sich mehr auf Haupt- & Realschüler fokussieren.
Auch das mit der Einteilung der Sterne, warum kann ein Realschüler in einem 5 Sterne Haus nicht am Empfang arbeiten oder sogar Empfangchef werden? Auswendig lernen zeugt nicht von sehr viel Intelligenz.. Es ist schön das du dir viel Mühe gegeben hast um dein Abi zu bestehen.

Ich liebe meinen Beruf wahrscheinlich genauso wie du und warum soll ich dann weniger eine Chance haben? Oder meinst du das Hauptschüler/Realschüler, dieses nicht fühlen können? Weil man kein Abi hat? Sehr magere Ansicht. Oder ich verstehe deine Aussage doch nicht!

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Beitragvon Glen » Di Mai 20, 2008 1:05

Ein sehr interessantes Diskussionsthema, ich hoffe dieser Thread endet nicht in einem emotionalen Hauptschüler vs. Gymnasiasten Streit.
(Wer das möchte, kann ja gerne einen neuen Thread eröffnen). Ich persönlich hatte im Übrigen keinerlei Probleme mit meinem Abi (BW). Soviel Freizeit werde ich in meinem ganzen Leben nicht mehr haben.


Grundsätzlich sollte man hier nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Man sollte sich doch zuallererst klarmachen, was hier zur Diskusson steht. Geht es um die Frage, was man alles mitbringen muß, um ein Leben lang ein guter Kellner zu sein?
Oder zielen Kai's Fragen nicht vielmehr darauf ab, welche Ansprüche die Gastronomie von morgen an potentielle Führungskräfte stellt? (Die Hotelfach(hoch)schulen reagieren ja nur auf die Nachfrage seitens der Tourismus-Industrie)


Meine Meinung:

In der Gastronomiebranche ist ja selbst unter den Führungskräften der Anteil an Akademikern sehr gering. Im Vergleich zu anderen Branchen ist das eine Seltenheit, denn in der klassischen Industrie haben zum Beispiel die meisten (jüngeren) Abteilungsleiter studiert. Und das nicht nur in Deutschland, sondern weltweit!

Meiner Ansicht nach -und ich stütze mich auf diverse Aussagen und Onlineartikel- wird sich dieser Zustand weltweit (!) rapide ändern und sich mehr und minder der "klassischen" Industrie anpassen.
Dort wird schon lange das gelebt, was in der heutigen Gastronomie- und Hotelleriebranche kritisiert und abgelehnt wird: Für einen Karrieraufstieg sind Titel wichtig! Wer verantwortungsvolle Positionen erlangen möchte, muß Bildung vorweisen können! Wer ins mittlere/höhere Management möchte, muß studiert haben! (Auch hier bestätigen Ausnahmen immer wieder die Regel).
Sprüche wie "deswegen ist man noch lange kein besserer Rezeptionist" zeugen m.E. von einem völlig falschen Verständnis von Bildung und insbesondere von höherer Bildung.


Zur Ausgangsfrage:

Von den Hotelfachschulen halte ich genausoviel wie von irgendwelchen IHK- oder VWA-Lehrgängen: Nichts. Diverse Statistiken zur Karriere- und Gehaltsentwicklung sind diesbezüglich (IHK & VWA) ja eindeutig. International -und die Hospitalitybranche ist international!- kann man mit dem Zeug eh nichts anfangen.

Wer in Zukunft Karriere machen möchte wird wohl oder übel, wie in allen anderen Branchen auch, studieren müßen. Wie er das anstellt ist zweitrangig, am Ende muß ein anerkannter Bachelor dabei rauskommen. Um seine langfristigen Karrieremöglichkeiten noch einmal zu verbessern ist natürlich der Master nicht schlecht. Als eine "Pflicht" würde ich das jedoch nicht bezeichnen, schließlich gibt es in den angelsächsischen Ländern eine ganze Reihe von CEOs, die "nur" den Bachelorabschluß haben. Gleiches gilt für den PhD/Dr. Zusätzliche Titel und zusätzliche Bildung schaden andererseits nie, wer die Chance dazu hat, sollte diese auch nutzen. Bildung macht sich über kurz oder lang immer bezahlt!

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Beitragvon Alex » Di Mai 20, 2008 2:38

Schön, dass dieser Thread wieder back to topic kommt. :)
Kai, genaugenommen hast Du nur in Deinem letzten Beitrag beurteilt und ich kann in Deinem Interesse nur hoffen, dass ich das entweder falsch aufgefasst habe oder Du diese Meinung in den nächsten zwei Jahren ändern wirst. :)

Aber zurück zum Thema:
Ich weiß gar nicht, was Ihr wollt: Es gibt eine Hotelmanagement Ausbildung in Deutschland! @Kai: Auch in Frankfurt ;)

Davon abgesehen denke ich nicht, dass man die Gastronomie mit der klassischen Industrie vergleichen kann. Die Gastronomie ist ein Handwerk, keine Industrie! Und zum Handwerk gehört nunmal Erfahrung. Rein Studierte bringen diese Erfahrung nicht mit und das Fakt. In der Industrie geht es um Effizienz und Kosteneinsparungen. In der Gastronomie hat man bis zu 80% Personalkosten - da geht es um Menschen! Gleichwohl um Gäste, wie um Personal - und das passt in keine studierte Formel.

Von welchen Führungspositionen reden wir hier eigentlich?
Probieren wir es doch mal mit dem "mittleren Management":
F/O-Manager: Ich glaube kaum, dass ein studierter "Managementler" den Ansprüchen gerecht würde - die vielfältigen "Spezialsituationen" erfordern Menschen-(Gast-)kenntnis und Berufserfahrung.
F&B-Outletmanager: same here - das Wichtige sind die Gäste und die kann man nicht studieren, die muss man erfahren!
Soweit zur Operation. Aber wo soll denn Eure Management-Ausbildung von ? Jahren hinführen?
Ins Sales? Gut, da stimme ich teilweise zu. Sicherlich kann das ein Marketing-Student. Aber trotzdem muss man wissen, was man verkauft - und das kann ein Hofa (gleich welcher Schulbildung) mit 1-2 Jahren Erfahrung im Salesbüro genauso.
Controlling? - Natürlich kann man das Studieren. Aber das theoretische Controlling unterscheidet sich im mittleren Management vom praktischen bei weitem. Studiert einsteigen kann man hier m.E. erst in der Hauptverwaltung, wenn es um große Zahlen geht. Aber wenn mich das interessiert, braucht man wirklich keine Gastronomie-Ausbildung mehr ...
Ich wüsste echt nicht, bei welchen Jobs im mittleren Management ein Studium die Berufserfahrung aufwiegen könnte. Das ist ja eben das Spezielle an der Gastronomie!

In der primären Gastronomie zählen meines Erachtens Servicebereitschaft und Erfahrung. Das ist sicherlich meine persönliche Meinung, aber solche Meinungen:
Denn wenn man in die 5 Sterne Hotellerie nur mit Abi reinkommen wuerde, wer macht dann die vermeindlich nicht so beliebten Arbeiten (Spuele, Zimmerputzen, Service, Technik)? Kein Abiturient wird sowas lange machen wollen, oder ueberhaupt!
kann ich absolut nicht nachvollziehen ...
Wenn ein Abiturient nicht bereit ist, für einen Gast das Zimmer zu putzen, dann hat er in der Hotellerie absolut gar nichts zu suchen. Und ich bin mir sicher, dass mind. 90% der Hoteldirektoren meine Meinung bestätigen werden!

@glen: Den Aussagen Deiner Online-Artikel (und Aussagen) muss ich aus persönlicher Erfahrung wiedersprechen. Der Punkt ist einfach: es gibt einen Unterschied zwischen der weltweiten "Ausbildung" und der deutschen! Nirgendwo sonst in der Welt werden Studenten praktisch 3 Jahre im Betrieb ausgebildet! Schau nach Holland und Österreich - dort gibt es "Hotelfachschulen" mit 0,5 bis 1 Jahr Praktikum. Ähnlich läuft es in USA und Indien. Natürlich haben diese Leute dann einen "Bachelor in Hotelmanagement", aber ich kann Dir aus persönlicher Erfahrung sagen, dass die deutsche Hofa-Ausbildung diesen bei weitem überwiegt! Zumindest praktisch gesehen, denn international muss ich Euch recht geben - die Ausbildung ist lediglich "Berufserfahrung". Und genau das war ein Kriterium, warum ich persönlich die Hotelfachschule besucht habe. Ich wäre im Ausland mit meiner Ausbildung und insgesamt knapp 9 Jahren Berufserfahrung für ein Management-Trainee-Programm nicht in Frage gekommen, weil ich keinen Uni-Abschluss hatte! Auf der anderen Seite haben Leute das Programm absolviert, die 2 Jahre Philosophie oder Geschichte studiert hatten. Da fragt man sich doch, wo die Relationen liegen ... Ebenso waren indische "Absolventen einer Hotelfachschule" zugelassen, die nichts anderes gemacht haben, als ein deutscher Hofa-Azubi!

Deshalb mögen die Studiums-Abschlüsse im Ausland sicher etwas zählen - allein weil die Voraussetzungen für "normale" Mitarbeiter ganz andere sind, aber in Deutschland zählt m.E. immer noch die Berufserfahrung. Kein Hotel wird einen 23jährigen als Sales-Manager einstellen, nur weil er irgendein Diplom hat. Und auch im Ausland zählt letzten Endes nur die Berufserfahrung - wenn ich bereits in Deutschland als BQ-Operations-Manager gearbeitet habe, wird die Einstellung sicher einfacher vonstatten gehen, als wenn ich "nur" ein Uni-Diplom vorweisen kann.
Meiner Ansicht nach -und ich stütze mich auf diverse Aussagen und Onlineartikel- wird sich dieser Zustand weltweit (!) rapide ändern und sich mehr und minder der "klassischen" Industrie anpassen.
Dort wird schon lange das gelebt, was in der heutigen Gastronomie- und Hotelleriebranche kritisiert und abgelehnt wird: Für einen Karrieraufstieg sind Titel wichtig! Wer verantwortungsvolle Positionen erlangen möchte, muß Bildung vorweisen können! Wer ins mittlere/höhere Management möchte, muß studiert haben! (Auch hier bestätigen Ausnahmen immer wieder die Regel)
Klar müssen deshalb die deutschen Hotelfachschulen über kurz oder lang einen Bachelor offerieren, und dabei arbeiten sie zur Zeit auch. Aber letztendlich - seien wir ehrlich - wollen (oder müssen) sie Geld verdienen. Also werden die Zugangsvoraussetzungen herabgesetzt ... hoffen wir, dass wenigstens die Abschlüsse international vergleichbar werden. Wenn nicht, und das ist meine Aussage(!), geht es rein über die Berufserfahrung!

Aber nochmal zurück zum Abi-/Realschul-Thema:
Ich persönlich kenne genausoviel Abiturienten und Studierte in der Gastro, wie ich Realschul- und Hauptschulabsolventen in Managerpostitionen kenne.
Meiner persönlichen Meinung nach, kommt es auf die Berufserfahrung und auf das praktische Können an - das können sowohl Abiturienten als auch Haupt-, Realschüler vorweisen! Da gibt es keinen Unterschied und diese Unterscheidung* wird sowieso viel zu pauschal und zu früh getroffen.

Kai, versteh mich bitte nicht falsch - ich möchte Dir garantiert keine Qualifikation absprechen - aber die pauschale Einschätzung, dass Abiturienten generell besser sind (oder bessere Chancen verdienen), ist Blödsinn. Natürlich wird dieses Bild durch die aktuell möglichen Ansprüche der 5*-Hotellerie gefördert (weil entweder die Zugangsvoraussetzungen für das Abitur zu günstig sind, oder weil die Anforderungen der Studiengänge zu hoch sind - denk mal drüber nach ...). Aber die Praxis zeigt mir oft das Gegenteil - u.a. mit Deinem Messer-Beispiel ...

*Mein Bruder (z.B.) leidet unter ADS: Er ist zwar hochintelligent, wird aber wegen seiner Konzentrationsschwäche nicht am Gymnasium zugelassen - was würde also im Fall der Fälle sein Abschluss über ihn aussagen?!?
Zuletzt geändert von Alex am Di Mai 20, 2008 12:39, insgesamt 1-mal geändert.
"Watch, learn and don't eat my cookie!"
Phoebe in Friends S05E14

"Aus Respekt vor dem Arbeitgeber erscheint man eine halbe Stunde vor Arbeitsbeginn, verbeugt sich vor dem Chef und nach Dienstschluss entschuldigt man sich, dass man nun gehen wird, und bedankt sich gleichzeitig, dass man heute arbeiten durfte ..."
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Beitragvon Glen » Di Mai 20, 2008 9:11

Zur Abitur-Debatte: Im angelsächsischen Raum kann man auch ohne Abitur studieren, oftmals reichen 3-5 Jahre Berufserfahrung auf ordentlichem Niveau (d.h. nicht am Fließband). Das wird auch in Deutschland so kommen. Bildung ist eine lebenslange Angelegenheit und man sollte 16- bzw. 19-jährige nicht ihr ganzes Leben lang in eine Schublade stecken ("nur für untere Arbeiten geeignet" bzw. "hat das Zeug für das Management").

Zumindest praktisch gesehen, denn international muss ich Euch recht geben - die Ausbildung ist lediglich "Berufserfahrung".

Und das wird früher oder später auch in Deutschland der Fall sein. Gerade Deutschland oder -noch schlimmer- Österreich werden sicherlich keine "titelfeindliche Insel" für alle Nicht-Akademiker bilden.

Davon abgesehen denke ich nicht, dass man die Gastronomie mit der klassischen Industrie vergleichen kann.
Meiner Ansicht nach schon. Und ich rede hier nicht vom Controlling.
Ein Hotel produziert und vertreibt genauso Produkte wie etwa JP Morgan Chase, SAP, die Bayer AG oder -ganz klassisch- die Robert Bosch GmbH.

Wobei auch in der "klassischen" Industrie Praxiserfahrung ganz wichtig geworden ist. Ohne Praktika und/oder Nachweis von soft-skills hat es selbst ein Top-Uni-Student schwer, eine gescheite Stelle zu kriegen.

Von welchen Führungspositionen reden wir hier eigentlich?
Probieren wir es doch mal mit dem "mittleren Management":
F/O-Manager: Ich glaube kaum, dass ein studierter "Managementler" den Ansprüchen gerecht würde - die vielfältigen "Spezialsituationen" erfordern Menschen-(Gast-)kenntnis und Berufserfahrung.
F&B-Outletmanager: same here - das Wichtige sind die Gäste und die kann man nicht studieren, die muss man erfahren!
[...]
Rein Studierte bringen diese Erfahrung nicht mit und das Fakt.
Ja, ich rede vom Management bzw. dem Einstieg ins Management: Führungspositionen zuerst im operativen und mittelfristig auch im administrativen Bereich.

Deine Argumente sind ja -und das meine ich ironiefrei- schön und gut, passen aber auf fast jede Branche und fast jede Abteilung.
Ein Industriekaufmann hat im Alter von 30 Jahren etwa 8-10 Jahre mehr Berufserfahrung als ein gleichaltriger Hochschulabsolvent! Der studierte Theoretiker hat ja keine Ahnung, wie in den "unteren Bereichen" gearbeitet wird! Was gibt es im Personalwesen schon groß zu studieren? Wie kann man Vertrieb studieren? Controlling hat in der Realität gar nichts mit dem Studium zu tun! Was bringt mir ein 1,0-Bachelor/Diplom wenn ich nicht mit Menschen umgehen kann? Was bringt mir ein Hochschulabschluß, wenn ich kein richtiges Auftreten habe? Alles diskussionswürde Fragen, die jedoch eines gemeinsam haben: Sie verkennen die Realität!
Bei Siemens wirst du ohne Hochschulabschluß nie und nimmer Abteilungsleiter. Bei Daimler werden Trainee-Bewerbungen gar nicht erst angeschaut, wenn der Bewerber keinen Hochschulabschluß mitbringt. Und bei McKinsey lachen sie sich tot, wenn du dich als 27-jähriger Industrie- oder Bankkaufmann für eine Stelle im Consulting bewirbst.

Im unteren Mittelstand (vergleichbar mit 3-Sterne-Hotels?) sieht es natürlich ein bißchen anders aus. Dort kann man auch ohne Hochschulabschluß weit kommen. Aber im oberen Mittelstand und erst recht bei Großunternehmen (vergleichbar mit 5-Sterne-Hotels?) hat man so nur in wenigen Fällen schnelle Aufstiegsmöglichkeiten.

Man kann sich wohl lange streiten, ob das sinnvoll ist oder nicht. Die Realität spricht jedenfalls -weltweit!- eine deutliche Sprache.
Auf der anderen Seite haben Leute das Programm absolviert, die 2 Jahre Philosophie oder Geschichte studiert hatten.
In den USA ist es gang und gäbe, dass ein Philosophiestudent in einer Bank unterkommt und ein Historiker nach seinem Studium als Unternehmensberater arbeitet.
Der Grund: Man ist der Meinung, dass jeder Student einer gescheiten Uni mit seinem Studium bewiesen hat, dass er auf höchstem Niveau selbständig, ergebnisoffen arbeiten und analytisch denken kann und damit ein "größeres Blickfeld" hat als der Arbeiter/Handwerker, der seinem Job nachgeht ohne sich großartig Gedanken darüber zu machen.

In Deutschland ist man leider nicht so flexibel. Nichtsdestotrotz ist aber auch hier in den meisten Fällen ein Hochschulabschluß notwendig um Karriere zu machen.


Alex, um zu einem Schluß zu kommen: Der springende Punkt dürfte wahrscheinlich unsere unterschiedliche Bewertung der Gastronomiebranche (Management!) sein. Du bist der Meinung, dass das Hospitality-Management der Zukunft spezielle und besondere Ansprüche an potenzielle Führungskräfte stellt, die einen Hochschulabschuß überflüssig machen.
Ich bin anderer Meinung. Natürlich hat jede Branche (und jede Abteilung) Besonderheiten. Im Vertrieb kommt man nicht weit ohne Verkaufstalent und im Personalwesen kommt man nicht weit ohne Menschenkenntnisse. Beides kann man nicht studieren. Nichtsdestotrotz haben (fast) alle Personalreferenten bei BMW oder der Deutschen Bank und (fast) alle Vertriebsvorstände der DAX-30-Unternehmen studiert, viele haben sogar nen Doktor.


Mein Fazit:
Es mag ja sein, dass die Gastronomie besonders hohe praktische Anforderungen an die Absolventen stellt. Dem werden die entsprechenden Hochschulen halt Rechnung tragen müßen bzw. tun das heute schon - abgesehen von diversen Tourismus-FHs...

In Zukunft werden weltweit immer mehr Hochschulabsolventen in die Hospitality-Branche einsteigen (um Führungspositionen zu erlangen und nicht um zu kellnern!). Völlig unabhängig davon ob das gut oder schlecht ist, mittel- bis langfristig werden die Anforderungen in der weltweiten Hospitality-Branche ähnlich sein wie in jeder anderen Branche auch. Und dort kommt man ohne Zusatzqualifikationen, vornehmlich akademischer Natur, nicht allzu weit...


So, ich freue mich schon auf das Contra :wink:

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Beitragvon HoFaMaUs » Di Mai 20, 2008 21:07

zurück nochmal....nach der Ausbildung oder wenn du ein paar jahre danach Berufsrefahrung gesammelt hast intressiert es eh keinen Menschen mehr welche Noten du in deinem Abschlusszeugnis hattest ob haupt/real oder gymn. ....es ist einfach so...zählen tut der wille etwas zu erreichen und die Liebe zu dem Beruf...und das kann genauso einer der nur haupt/oder realabschlss hat.... mit dem Beruf Hotelfachfrau/mann fängt alles erst an...man kann das gut ausbauen....es ist eine gute Grundlage
und wie alex schon gesagt hat....Wenn ein Abiturient nicht bereit ist, für einen Gast das Zimmer zu putzen, dann hat er in der Hotellerie absolut gar nichts zu suchen... Es gibt schöne und halt nicht so schöne Aufgaben in der Hotelerie..wer meint nur weil er ABI gemacht hat ganz groß rauszukommen hat sich geschnitten...jeder fängt ganz unten mal an...und das ist ein unding eigentlich das jemand behauptet hier der Beruf Hotelfachfrau/mann wäre nur etwas für Haupt/ oder realschüler....tzzzz :lol: das ich nicht lache....

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Patrick333
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Beitragvon Patrick333 » Mi Mai 21, 2008 11:21

Ah, endlich mal wieder eine anregende Diskussion ueber ein interessantes Thema.

Nun gut, dann wollen wir auch mal was zu sagen!

Also, ich werde hier mal aus meiner Perspektive und Erfahrung heraus antworten.

Thema Abitur:

Braucht man es? Ja und nein! Es kommt drauf an, was man sich fuer ein Ziel gesetzt hat. Abteilungsleiter, klar geht auch ohne! Direktor oder GM, imho forget it! Die Zeiten sind vorbei! Und es geht auch nicht um die persoenlichen Qualifikationen, sondern darum, was der Arbeitsmarkt zur Verfuegung stellt! Habe ich 1000 Abiturienten und 1000 Realschueler/ Hauptschueler zur Auswahl, werden zuerst die Abiturienten betrachtet! Hier muss ich aber sagen, dass dies meistens aus einem sehr ersichtlichen Grund gemacht wird, und der waere das Alter! Als Abiturient ist man meistens 18-20 Jahre alt, mit Real- oder Hauptschulabschluss meisten 15-17 Jahre alt. Das heisst, ein Personalchef waehlt 100 mal lieber jemanden, der Schichtdienst und Nachtdienst machen kann und nicht dem Jugendarbeitsschutzgesetz unterliegt. Schlicht und einfach! Da spielt der Schulabschluss in erster Linie keinen wirklichen Einfluss!

Thema Bachelor:

Nein man braucht es nicht wirklich in der Gastronomie, wenn man sich reinhaengt und Zeit und Schweiss investiert, dann kann man auch laengerfristig ins Management kommen.
Der Knackpunkt ist der, dass es heutzutage erheblich schwerer ist und sehr viel laenger dauert. Der klassische Weg des "Hocharbeitens" stirbt langsam aber sicher aus. Unsere heutigen GM's sind meistens noch von der alten Schule, die haben sich den Weg nach oben erarbeitet (ohne Studium).

Das wird meines Wissens und meiner Meinung nach in Zukunft nicht mehr gehen (von vereinzelten Ausnahmen abgesehen).

Hier in Dubai sehe ich es jeden Tag, ohne einen Bachelor Degree kann man es schon fast vergessen ein Management Training zu bekommen.

Traurig aber wahr, durch den internationalen Konkurrenzdruck in der Hotellerie entscheiden sich immer mehr fuer ein Hotelfachstudium, was sich dann wieder in der Zahl der Absolventen wiederspiegelt, die auf den Arbeitsmarkt draengt.
Wenn ich nun in HR arbeite und und 100 Bewerbungen vor mir liegen habe (vereinfacht dargestellt: 25 Realschueler, 25 Abiturienten, 25 Bachelors und 25 Masters, alle mit einer HoFa Ausbildung und ohne auf Arbeitserfahrung zu schauen), ja was meint ihr denn wen wird sich HR zuerst anschauen? Ihr muesst euch die Sache doch mal rein realistisch ansehen, nicht was gerecht oder sinnvoll waere!

Man wird immer zuerst den auswaehlen, der das meiste Fachwissen mitbringt. Wenn man unter den Kandidaten keinen findet, dann wird in der Reihenfolge nach unten weitergesucht! Das ist heute mehr denn je der Fall.

Ich sehe es heute schon, dass HR sogar in Richtung Master schaut, was fuer mich ein Defizit darstellt, da ich "nur" den Bachelor habe. Langfristig wird dies wohl darauf hinauslaufen, dass ich wohl auch noch den Master irgendwann dranhaengen werde, ob ich will oder nicht!


Und nun komme ich zum eigentlich Punkt!

Man kann mit jedem Abschluss irgendwie mit Fleiss und Glueck an seinen/ ihren Traumjob kommen, aber realistisch gesehen kommt irgendwann der Punkt den man als "Glass-ceiling" bezeichnet! Eigentlich geht es dabei um die Gleichberechtigung der Frauen im Management, aber ich benutze ihn hier mal fuer das diskutierte Thema. Irgendwann wird jeder an einen Punkt kommen, wo sich der schulische Werdegang bemerkbar machen wird. Dass heisst irgendwann wenn der/die Haupt-/Realschueler(in) ohne Abitur, oder der/die Abiturient(in) ohne Studium sich fuer eine hoehere Position bewerben wird, wird/koennte es zu genau diesem Effekt kommen, dass einem der Weg zur naechsten Karrierestufe versperrt wird, weil man eben nicht die Voraussetzungen erfuellt!

Und genau dann holt einen die schulische Bildung wieder ein!


Genau deshalb sieht man immer mehr Direktoren, oder Abteilungsleiter, die zurueck auf die Schulbank gehen und Abschluesse nachholen!


Das hat nichts mit der Wertung der Schulformen zu tun, sondern beruht einzig und allein auf einer realistischen Betrachtungsweise heutiger Hotelketten!

MfG
Disclaimer: Alle meine posts enthalten meine eigene Meinung und representieren nicht zwingend die Standpunkte oder Meinungen von Hotel.

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Beitragvon tobli » Mi Mai 21, 2008 11:45

Hallo zusammen ...

auch wenn es jetzt wieder etwas ins "off - Topic" geht:
Meiner Ansicht nach schon. Und ich rede hier nicht vom Controlling.
Ein Hotel produziert und vertreibt genauso Produkte wie etwa JP Morgan Chase, SAP, die Bayer AG oder -ganz klassisch- die Robert Bosch GmbH.
Genau da möchte ich ansetzen.

Ein Hotel produziert seine Dienstleistungen ("Produkte") eben nicht wie jedes andere Unternehmen auch. Wenn man die Dienstleistungsproduktion genauer unter die Lupe nimmt, so sieht man, dass anders als in der Industrie in der Dienstleistung das "Produkt" / die Dienstleistung nicht vorgefertigt werden kann und somit nicht lagerfähig ist. In der Dienstleistungsproduktion ist man nur auf den Gast / Kunden ("externer Faktor") angewiesen, da der Gast schon zu mir kommen muss ohne zu wissen welche Qualität mein Produkt / Dienstleistung für ihn hat. Wobei ich in der Industrie die Möglichkeit habe mein Produkt zu produzieren und den Kunde dann zu überzeugen. Konkret heißt das, wenn ich in der Dienstleistungsproduktion nicht in der Lage bin mein Produkt / Dienstleistung vernünftig zu präsentieren gehen mir irgendwann die Gäste / Kunden aus. Ich kann am Markt nicht mehr standhalten, da mir der Vertriebskanal fehlt.

Für diese Präsentation ist meines Erachtens eine gesunde Mischung aus Fachwissen, Erfahrung und emotionaler Intelligenz nötig.

Überwiegend hierbei ist mit Sicherheit der Faktor der emotionalen Intelligenz der in der Hotellerie / Gastronomie, wie in jeder anderen Dienstleistungsproduktion auch, am stärksten wiegt. Erlernbar ist dieser Faktor meines Erachtens nur sehr, sehr schwierig. Weder der Schulabschluß, noch ein Studium garantieren für ausreichende Fähigkeiten. Oftmals sieht man eben diese Entwicklung bei MA in der Hotellerie. Eher schlechte Schüler entwickeln erstaunliche menschliche Fähigkeiten sind dafür fachlich vieleicht nicht so gut, starke Schüler überzeugen durch Fachwissen tun sich aber teilweise schwer im emotionalen Bereich.

Die Branche hat diese Zeichen, glaube ich, sehr gut erkannt. Immer öfter wird im HR - Mgt. darauf geachtet MA einzustellen die eine gesunde Mischung der Eigenschaften mitbringt.

Die Bildung allein ist für mich also keine zwingende Voraussetzung für einen "guten" oder "schlechten" MA und sagt auch im Vorfeld nur bedingt etwas über die Karrierechancen des Menschen aus. (Ehrlich gesagt erschreckken mich die Meinungen zu diesem Thema (s.o.) etwas.)

Dieser Komplex macht für mich die Hotellerie / Gastronomie einzigartig!


Zum eigentlichem Thema des Threads haben alle meine Vorredner wohl alles gesagt. Die Zukunft sollte dahin gehen, dass ein einheitlicher international anerkannter Abschluss (hier: BA) angeboten wird, um so tranzparenz und chancengleichheit zu schaffen.

Gruß Tobi
"Wenn man beginnt, seinem Paßfoto ähnlich zu sehen, sollte man in den Urlaub fahren."

~ Ephraim Kishon ~



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