A small, but very exciting adventure - 4 weeks in London

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homer
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A small, but very exciting adventure - 4 weeks in London

Beitragvon homer » Di Aug 04, 2009 21:21

Hallo hallo,

Ich habe gerade 4 Wochen im Radisson Blu London-Stansted Airport Hotel verbracht, ich habe dort während meiner Urlaubszeit ein unpaid placement gemacht und es war so dermaßen aufregend, spannend und geil, dass ich gedacht habe, dass es vielleicht auch ein paar Leute hier interessiert. Würde mich auf alle Fälle freuen, wenn auch dieser Thread Anklang findet.

Okay, zur Vorgeschichte: Ich möchte unbedingt nach meiner Ausbildung, die jetzt noch 12 Monate dauert, ins Ausland. Mein Wunsch war es daher, vorher mal ein bisschen auf Tuchfühlung zu gehen. Ich habe im Hotel bei mir angefragt, ob es möglich wäre, eben den besagten Schritt zu gehen, und es hieß, dass es nur während des Urlaubs möglich sei. Das hatte ich mir schon gedacht und sagte auch, dass es mir das wert sei, und ich dann eben auch bereit wäre, von meinen 25 Tagen im Jahr ein paar zu opfern, letztendlich habe ich mich für 20 Tagen dann entschieden. Eigentlich wollte ich nach Schweden und hatte auch Schwedisch gelernt, dass ich es jetzt fließend kann, aber dann hieß es nach 11 Monaten Wartezeit, dass es mit Schweden nicht klappt, weil man dort mit 17 Jahren nicht arbeiten kann. Meine Enttäuschung und mein Frust waren dementsprechend groß, und das Problem war, dass ich schon mehr oder weniger den Sommer verplant hatte, sprich: Ich hatte mir schon in den Kopf gesetzt, für 4 Wochen im Ausland zu arbeiten. Deswegen habe ich mich in England beworben und vom Radisson Blu London-Stansted Airport direkt eine Zusage bekommen.
Und dann bin ich dort hin, für 4 Wochen, davon 2 Wochen im F&B, 1 Woche im Housekeeping und 1 Woche am FO. Ich war vorher noch nie in England und auch noch nie für 4 Wochen von zuhause weg oder ähnliches. Im Hotel angekommen, habe ich gedacht, dass das Staffhouse auch am Flughafen und ziemlich spartanisch eingerichtet ist. Aber mich hat ein luxuriöses Staffhouse in Bishops Stortford, 15km entfernt erwartet, eingerichtet im britischen Stil, total gemütlich und schön. Ich musste ein Zimmer mit einem Holländer teilen, des Weiteren waren noch ein Inder, eine Spanierin, eine Deutsche, eine Belgierin und später eine Rumänin im Haus.
Meinen ersten Tag hatte ich im F&B, im italienischen Lifestyle-Restaurant „Filini“, welches in mehr oder weniger allen neuen Radisson Hotels eröffnet werden soll. Ich kam um 7 Uhr und das Restaurant war gnadenlos überfüllt und die Supervisor und Kellner nicht gerade happy, jemanden neues zu sehen, der erste Satz war: „We don’t have time to explain anything right now.“ Und ich dachte mir gut, wenn dies nicht der Fall ist, dann ist das nicht weiter schlimm. Ich bin rumgegangen, habe dreckige Teller abgeräumt, Tische wieder eingedeckt, bedarf ja keiner Erklärung solange man einen sauberen Tisch als Beispiel hat, habe Tee und Kaffee serviert, weil es offensichtlich war, wo sich die Station befand. Und aus dem Radisson aus Deutschland bin ich richtigen Frühstücksstress gewohnt, dass heißt, ich habe wie wahrscheinlich jeder Hofa auch nicht den langsamsten Gang drauf. Gegen 9 Uhr war das Restaurant dann wieder ruhig und alle kamen zu mir und haben mich gefragt, wo ich her komme, wer ich bin etc, weil niemand von den Anwesenden die Information hatte, dass ich kommen würde. Als ich sagte, dass ich eine Ausbildung in Deutschland mache und 17 bin wollte es mir erst keiner glauben. „You’re working as a Supervisor in Germany, aren’t you?“ oder „You are just 17 years old? You’ve got to be kidding.” Es war ein absolute erfolgreicher Tag, und direct am nächsten Tag hatten wir Hilton Stansted im Hotel, die sich ein Bild vom größten Konkurrenten machen wollten, und die Herrschaften saßen beim Lunch im Restaurant und der F&B-Manager kam vorher zu mir: „Do you mind to serve them and to treat them like VIP’s?“ Ich war völlig perplex, weil es eben erst mein zweiter Tag war und ich nur ein Trainee war, aber ich sagte okay und machte es und der zweite Tag war auch allererste Sahne.
Der Dienstplan war nicht gerade toll, ich hatte oft Splitshift von 6-12 und 18-24, oder gar lange Tage von 10-24, und ein paar Leute meinten zu mir: „Come on, you don’t have to this, you are here as an unpaid placement.“ Und klar, sie hatten Recht, aber ich sagte mir, ich bin hier, um die Erfahrung zu machen, deswegen komme, was wolle, und die Erfahrungen sind für mich Gold wert.
Am ersten Abend im Filini Dinner habe ich eine „May I have your opinion“-Card bekommen, die bei der Rechnung beiliegt, auf der mein Name stand und folgender Kommentar: „Steffen (German waiter) is very professionell and friendly and …“ Das war dann wieder ein Erfolgserlebnis.
Des Weiteren war ich in der Wine-Tower-Bar und in der New-York-Grill Bar, und es ist echt der helle Wahnsinn, wie sehr das Hotel brummt, jeden Tag, jeden Abend gab es Schlangen vor jedem Outlet, viel zu wenig Staff, ich hatte dann an meinem ersten Tag in der Wine-Tower-Bar als Tablewaiter 21 Tische für mich alleine. Es war tierisch anstrengend und manchmal auch schlicht und ergreifend „awfully busy“, aber auch so unglaublich schön. Vor allem, wenn ich Schwedisch reden konnte mit den ganzen skandinavischen Gästen, wenn ich „3 pints of Carlsberg“ an der Bar bestellte und mir der Supervisor dann mitteilte: „Stop drinking mate“ :-) Es war schwer für mich, immer ins kalte Wasser geworfen zu werden, immer wieder andere, neue Leute, neue Speisekarten, neue Tischnummern, neue Abläufe, aber jeder verdammte Wechsel war so aufregend, irgendwie auch schrecklich, aber auch witzig und hat mich immer ein Stück stärker gemacht.
Dann, die dritte Woche, nach zwei Wochen im F&B, Housekeeping: Am ersten Tag wurde mir gezeigt, welche Listen ich ausdrucken muss, wie man das Office aufmacht etc, dann wurde ich mit rund 90 Zimmern nach oben geschickt und es hieß, dass ich diese checken und frei melden soll und die Zimmermädchen kontrollieren und sie gegebenenfalls zurückholen soll und dergleichen. Dann hieß es danach „Do you think you will be able to open the office on your own next time?“ Deswegen war ich jetzt das erste Mal von 6-8 Uhr alleine. War sehr aufregend, weil nach wie vor alles irgendwie neu ist. Um 6 Uhr machte ich zuerst Handover mit der Rezeption, kriege direkt Bügelaufträge für die nächste halbe Stunde, hole alle meine Schlüssel und lege dann los. Drucke sämtliche Listen aus, wieviel Zimmer dirty sind, wann welches Zimmer um wieviel Uhr geht (ist ein richtiger Akt in einem 500-Zimmer-Hotel, da aufgrund der vielen Crews late check-outs um jede Uhrzeit sind). Deswegen wälze ich morgens Ordner, um die verschiedenen Airlines zu inspizieren, muss dran denken, alle VIPs, Stayovers zu makieren, Extrabeds und Cots auf die Zimmermädchenlisten zu schreiben, die generelle Einteilung für rund 25 Zimmermädchen machen, Schlüssel aushändigen und notieren, wer welche Section hat, weil die Schlüssel für die Room Attendants auch nur so frei geschaltet sind, dass heißt dann Airside 1A, B, C, Terminalside 1D, E, F, Landside 1G, H, I ... weil das Gebäude wie ein gerades U geschnitten ist. Da kommt Freude auf, wenn man diese Einteilungen zum ersten Mal macht ... ;-) Später kommen dann alle Zimmer, in denen ich gemerkt habe, dass der Safe noch zu ist, irgendwas aus der Verankerung gerissen ist, eine Glühbirne fehlt etc, das muss ich alles Engineering melden, dann alle Zimmer die clean und empty sind, die ich aber nicht frei melden darf, weil sie im Computer noch due out sind, dass heißt, die Zimmer wurden bei check-in schon bezahlt und Rezeption kann die Zimmer erst wieder auschecken, wenn ich mitteile, dass der Gast das Zimmer wirklich verlassen hat.
Deswegen raucht mir permanemt der Kopf, weil man so viele Zimmernummern und Sachen im Kopf hat. Nicht zu vergessen alle Interconnection rooms, wo man am besten immer auswendig wissen muss, wo welche Türen auf sind oder nicht ;-)
Am nächsten Tag, Sonntag, war Assistant Housekeeper krank, weshalb ich nochmal um 6 antanzen durfte. Hielt mich aber nicht davon ab, mit ein paar Kollegen und Staff-House-Bewohner am Abend vorher die Umgebung hier in Bishops Stortford unsicher zu machen. Wir haben jede Menge Bilder von diversen Pubs etc, sind echt superlustige Abende hier. Ging bis 2 Uhr, um 4 Uhr bin ich wieder aufgestanden, um den Bus um kurz vor 5 zum Airport zu bekommen.
Ist anstrengend, aber auch ganz schön, für 5 Tage in einer Abteilung so eine Verantwortung zu bekommen.
Dann, die letzte Woche an der Rezeption: 5 mal Nachtschicht, ich habe zweimal zugeguckt, wie in dem Hotel Gäste eingecheckt werden, dann bekam ich meinen eigenen Desk und es ging los, Nachtschicht beginnt um 23 Uhr, und es waren noch 180 Anreisen offen ;-) Aber es ist ein geiles Gefühl irgendwie.
Hier regnet es fast jeden Tag mehrmals, vorgestern mit richtig viel Hagel und Gewitter, was zur Folge hatte, dass es mehrere Flight Delays gab und sich alles im Hotel verschoben hat, sämtliche Dinner, Day-Use-rooms, Meetings, Check-in/Check-out Zeiten etc. War kein Spaß für die Kollegen vom Service, die teilweise um 6 Uhr morgens angefangen hatte und bis 18 Uhr regulär Dienst hatten, bis nachts zu bleiben, um dem späten Ansturm auf die Restaurants gerecht zu werden.

Ansonsten ist das Leben hier echt cool and aufregend, logischerweise auch anstrengend und ein bisschen nervenzerreißend, aber die Erfahrung ist Gold wert und deswegen bin ich ja auch hergekommen. Deswegen ist es "really a pity" dass ich nächste Woche schon wieder heimfliege, weil ich eigentlich noch gar nicht realisiert habe, dass ich hier bin.
Aber dadurch, dass alle netten Leute vom Staff-House mehr oder weniger gleichzeitig Ende Juli/Anfang gehen, ist es irgendwie einfacher, weil überall Aufbruchsstimmung herrscht, auch bei den Leuten, die hier für mehr als 10 Monate waren. Meine reference ist auch sehr gut ausgefallen, worüber ich sehr happy bin, ich habe viele tolle Bilder aus dem Hotel oder auch aus dem Londoner Partyleben, und auch von meinem 18. Geburtstag, den ich mit "fremden" Menschen, die ich erst ein paar Tage kannte, feiern konnte, und ganz viele glückliche Erinnerungen. Jederzeit gerne wieder, und gerne auch für länger! :-)
Würde mich freuen, wenn es mehr oder weniger interessant für die Community war.
Gruß
homer


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Beitragvon Alex » Di Aug 04, 2009 22:42

Nachträglich Happy Birthday! :birthday: :guinness:

Homer, ich muss Dir echt sagen, es ist jedesmal ein Genuss Deine (Erfolgs-)Erlebnisse zu lesen und solltest Du Dich jemals bei mir bewerben, schick' mir einfach statt einer Bewerbung Dein nächstmögliches Eintrittsdatum! Aber vielleicht darf ich mich auch demnächst beim jüngsten Hoteldirektor aller Zeiten bewerben ;)
Auf dem Weg dahin bist Du auf jeden Fall, wenn Du Deinen Enthusiasmus und die Freude am Beruf nicht verlierst (was ich nicht wirklich glaube).
Was Dir in London am ersten oder zweiten Tag schon an Verantwortung übertragen wurde und wie locker und selbstverständlich Du das dann auch "gehandlet" hast - damit machst Du manchem F&B-Supervisor oder mancher Hausdame hier in Deutschland echt was vor. Die Kommentare Deiner Kollegen bestätigen das nur. Dein Alter möchte ich erst gar nicht erwähnen ...

Wieder mal: Hut ab und vielen Dank für diesen Beitrag! :super:
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"Aus Respekt vor dem Arbeitgeber erscheint man eine halbe Stunde vor Arbeitsbeginn, verbeugt sich vor dem Chef und nach Dienstschluss entschuldigt man sich, dass man nun gehen wird, und bedankt sich gleichzeitig, dass man heute arbeiten durfte ..."
Martin Schulz im Rolling Pin 07/2010 - (über das Arbeiten in Japan ...)

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Beitragvon Till » Mi Aug 05, 2009 10:13

Herzlichen Glückwunsch!

du hast die- meiner Meinung nach- echte Hotelerielust gerochen... Vorsicht macht süchtig. :lol:

Super Post... ich will auch wieder zu meinen Inselaffen - neidisch bin....
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Beitragvon knolle » Mi Aug 05, 2009 13:29

Hi Homer!
Vielen Dank für den tollen und äußerst interessanten Bericht! Es war ein Genuss ihn zu lesen und es freut mich wirklich sehr, dass es dir so gut in London gefallen hat :)
Hoffentlich macht das hier vielen Neulingen Mut ins Ausland zu gehen :)

Weiter so und ich drück dir die Daumen für deine Zukunft!
Uuuuund nicht zu vergessen: Noch alles Gute zum Geburtstag :)

Liebe Grüße

knolle


Steve87
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Beitragvon Steve87 » Do Aug 06, 2009 14:58

Hallo Homer,

vielen Dank für deinen tollen Bericht und natürlich auch von mir alles gute nachträglich zum Geburtstag.

Mein Traum ist es nach der Ausbildung nach London zu ziehen und dort zu arbeiten. Dein Bericht hat mich darin noch bestärkt :D

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ShocK
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Beitragvon ShocK » Di Aug 11, 2009 16:51

Alles Gute zur Volljährigkeit, lieber Steffen!

Ich kann mich Alex nur anschließen. Die Art und Weise, wie souverän du drüben alles hinbekommen hast und wie du dann auch noch voller Motivation davon sprichst, ist kaum zu übertreffen.
Ich wünsche dir ehrlich alles Glück dieser Welt, denn du wirst deinen Weg machen.
- To achieve great things, you must first dream great dreams -



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